Annika ist 29 Jahre alt, hat drei Kinder, Emely 9 Jahre, Celine 4 Jahre und Annalena 10 Monate alt, und lebt und arbeitet mit ihrem Mann und ihrer Schwiegermutter auf einem Bergbauernhof in der Gemeinde Diex in Kärnten auf 1100m Seehöhe. Ein Leben am Land, den Hof teilt sich die Familie mit Hühnern, Ziegen, Milchkühen, Kälbern, Katzen und dem Hofhund, Arbeit gibt es immer und zwar für die ganze Familie.

Aufwachsen in einer Großfamilie 

Geboren und aufgewachsen ist Annika in einem kleinen Dorf im Metznitztal, in einem großen Haus mit Oma und Opa im Erdgeschoss. So wie es in einer Großfamilie üblich ist, das Haus war immer mit Leben gefüllt, Besuch war jederzeit herzlich willkommen, die Türe stand immer offen, vor allem für die Familie. Viele Kinder und Enkelkinder gingen ein und aus, es gab immer etwas Interessantes zu tun, ob draußen im Garten oder in der Werkstatt vom Opa. Annika ist die Erstgeborene, war das erste Kind, was in diesem Haus aufgewachsen ist und wurde dementsprechend auch mit Liebe, Aufmerksamkeit und viel Zeit überschüttet. Auch, wenn Annika eine wunderschöne Kindheit hatte, hat sie ihre Zukunft immer ein wenig anders gesehen. Sie wollte ihr eigener Chef sein, selbst- und eigenständig agieren und so wenig Verantwortung wie möglich übernehmen müssen. 

Unverhofft kommt oft

Ihr großer Traum war es, Tischlerin zu werden, genau wie ihr Opa. Sie musste ihre Koffer packen und wegziehen – und verliebte sich während ihrer Ausbildung in Johannes. Doch die Zweisamkeit war nur von kurzer Dauer, mit gerade einmal 19 Jahren war Annika das erste Mal schwanger. Zu dem Zeitpunkt war der Traum, ein unabhängiges Leben zu führen, erst einmal beendet. Es mussten viele große Entscheidungen getroffen werden, Annika und Johannes kannten sich noch nicht lange, ein Baby war auf dem Weg und ihr Leben würde sich von Grund auf ändern. 

Wenn Annika jetzt auf die letzten 10 Jahre zurückblickt, bereut sie keinen einzigen Schritt, den sie gemacht hat. Sie weiß, was ihr alles entgangen wäre, hätte sie sich anders entschieden – Das Leben hat es gut mit ihr gemeint. 

Ich musste mit 19 Jahren schon Entscheidungen treffen, die meine ganze Zukunft beeinflussen werden.

– Annika –

Eine Achterbahnfahrt der Gefühle

Höhenflüge gibt es eigentlich jeden Tag – Jedes Mal, wenn eines ihrer Kinder etwas Neues lernt oder einfach nur dasitzt und glücklich ist und lacht, geht den Eltern das Herz auf. Das sind auch die Momente, wo man weiß, dass man alles richtig gemacht hat, und dass es genau DIESE Momente sind, die im Leben wirklich zählen.

Leider musste die junge Familie auch einen harten Tiefschlag erleben. 2019 erkrankte Johannes an Krebs, Annika musste den Kindern erklären, warum Papa jetzt nicht mit ihnen spielen und herumtollen kann. Er musste seine ganze Kraft darauf lenken, bald wieder gesund zu werden und die Krankheit zu besiegen. Das war eine sehr schwierige Zeit für die Familie, voller Hoffen und Bangen – im gleichen Jahr wurde geheiratet, glücklich und vor allem gesund. 

Stadt versus Land

Annika selbst ist in einer kleinen Gemeinde am Land aufgewachsen. Für ihre Kinder sieht sie ganz klar die Vorteile, sie können aus dem Haus gehen, wann sie wollen, es gibt vor der Türe keine lärmenden Straßen mit Gefahren, sie können sich frei bewegen. Auch die Nähe zur Natur ist positiv hervorzuheben. Direkt vor der Haustüre liegt der eigene Wald, die Kinder wissen, woher ihre Lebensmittel kommen, durch die tägliche Arbeit mit den Tieren wissen sie, wie Milch und Käse gemacht werden und woher das Fleisch kommt, welches sie konsumieren. Sie haben ein ganz natürlich Verhältnis zur Natur und zu ihrer Umgebung und sie wissen, wie viel Arbeit hinter den Dingen steckt. 

Natürlich birgt es auch Nachteile, so weit oben auf dem Berg zu wohnen. Die Kindergarten- und Schulfreunde wohnen unten im Tal, da ist ein schnelles Treffen nicht immer so leicht. Buslinie gibt es keine, die Familie ist auf ihr Auto angewiesen, um die Kinder in den Kindergarten zu bringen oder selbst für Einkäufe oder Besuche ins Tal zu kommen. Die Straße hinauf zum Bauernhof ist im Sommer schon herausfordernd, im Winter kommen Hindernisse wie große Schneemengen und Eis auch noch hinzu – das ist nicht immer ganz leicht. Sie haben das Glück, einen befreundeten Landwirt als Nachbar zu haben, der die Kinder immer mit dem Auto in die Schule und wieder Nachhause bringt – einmal in der Früh und einmal am Nachmittag, hier ist Pünktlichkeit ein Muss, wenn das Auto weg ist, ist es weg.

Der Tod ist bei der Landwirtschaft allgegenwärtig.

Unsere Kinder sollen keine Angst vor dem Thema haben, sondern verstehen und auch fragen können, warum wir tun, was wir tun und woher unsere Lebensmittel kommen.

– Annika –

“Bitte” und “Danke”

Eine liebevolle und herzliche Erziehung ist für Annika und Johanens das A und O – so, wie sie es selbst auch erlebt haben. Erziehung ist für sie in erster Linie, Zeit für die Kinder zu haben und ihnen beim Aufwachsen zuschauen zu können, ihnen bei Fragen zur Seite zu stehen oder sie einfach in den Arm zu nehmen. Ehrlichkeit und Höflichkeit sind auch zwei Eigenschaften, auf die sehr viel Wert gelegt wird. Ein einfaches „Bitte“ oder „Danke“ kann manchmal Wunder bewirken. Wichtig ist ihnen auch, dass ihre Kinder mutig sind, alles versuchen und nicht so schnell aufgeben. Sollte es dann doch nicht gelingen, ist das auch nicht schlimm, sie wissen aber, dass sie es probiert haben und können sich dann auf andere Sachen konzentrieren. Ein Thema, welches wahrscheinlich nicht in jeder Erziehung vorkommt, in der Landwirtschaft aber allgegenwärtig ist, ist der Tod. Die Kinder sollen wissen, dass der Tod nicht grundsätzlich schlimm ist, dass er Teil des Lebens ist und sie offen und ehrlich fragen können, wenn sie nicht verstehen, warum manche Sachen passieren bzw. manche Tiere sterben bzw. geschlachtet werden müssen. 

Kommunikation und nie wütend ins Bett gehen

Eine Beziehung ist etwas, was gepflegt werden muss – ob zu den Kindern oder zu dem Partner. Für die Kinder wollen Annika und Johannes Freunde und Eltern gleichzeitig sein, das ist nicht immer leicht und manchmal sogar unmöglich, meistens finden sie aber einen guten Ausgleich und dann funktioniert es. Ein Fixpunkt für die Familie ist das gemeinsame Abendessen, hier sitzen alle am Tisch und man lässt den Tag noch einmal gemeinsam Revue passieren, eventuelle Probleme werden besprochen und es wird die Zeit gemeinsam genossen. Auch der „Gute Nacht Kuss“ ist ein wichtiges Ritual, egal, wie wütend die Kinder manchmal sind, weil sie noch länger aufbleiben wollen – man weiß ja nie, was der nächste Tag bringt.

Gerade mit drei Kindern und der Arbeit auf dem Hof kommt die Zeit zu Zweit manchmal zu kurz. Aber wie man in Kärnten so schön sagt: „Beim reden kumman die Leit zom“ und das wird auch beherzigt. Und ein weiterer Punkt, warum Annika und Johannes sich nach 10 gemeinsamen Jahren noch so gut verstehen, ist, dass sie beide ihr inneres Kind noch nicht verloren haben und sie es solange behalten wollen, wie nur möglich. Johannes ist nicht nur Annikas Mann und der Vater ihrer Kinder, er ist auch ihr bester Freund. 

“Beim reden kumman die Leit zom”

Kommunikation ist das A und O, ob in der Erziehung deiner Kinder oder der Beziehung zu deinem Partner.

– Annika –

Tipps für werdende Eltern

Jede Familie ist anders, lasst euch nichts einreden. Egal, wo man aufwächst, was für Mittel man hat oder wie man sich das Leben vorgestellt hat, man muss das Beste aus der Situation machen. Bleibt ihr selbst, gebt euch Mühe, aber akzeptiert auch eure Grenzen und vertraut auf eurer Gefühl. 

Anmerkung der Redaktion: Birgit hatte eine ähnliche Story zu diesem Thema, hier mehr dazu lesen.