Sophia, Sebastian und ihre Kinder: Maximilian und Julia 

Die bewusste Entscheidung, Mutter zu werden, war zugleich Startschuss zu einem Leben in Selbstbestimmung

Das Ehepaar Sophia und Sebastian lebt mit ihren beiden Kindern Maximilian (5 ½ Jahre) und Julia (4 Jahre) in einem Vorort von Wien. „Es war Liebe auf den ersten Blick“, schwärmt Sophia von ihrem Basti. Kennengelernt haben sich die Beiden mit jungen 15 Jahren. Alles ging sehr schnell, vielleicht etwas zu schnell, wie Sophia rückblickend feststellen musste.

Von der Teenie-Romanze zum gemeinsamen Lebensweg

„Er hat mich ins Kino ausgeführt und anschließend wieder nach Hause gebracht, ganz nach alter Schule. Es war so aufregend, die Gefühle so intensiv.“  Was die kommenden Jahre folgte, waren die typischen Begleiterscheinungen einer Teenie-Romanze: Dramen, Trennung für ein ganzes Jahr, ständige „ups and downs“. Mit 21 Jahren kamen die Beiden dann zu dem Entschluss: „Jetzt muss es ernst werden – entweder ganz oder gar nicht“. Und so haben sie beschlossen zu heiraten. Sophia befand sich damals kurz vor ihrem zweiten Studienabschluss (Umwelt und Bioressourcen Management). Sebastian absolvierte eine Ausbildung zum Polizisten. Nach Abschluss ihres Studiums begann für Sophia eine schwierige Zeit: Sie fand lange keinen Job und landete dann in einem Gärtnereifamilienunternehmen, bei dem sie das Personalmanagement überhatte. Die Arbeit erfüllte sie jedoch nicht und so beschloss sie, dass es der richtige Zeitpunkt wäre, Mutter zu werden.

Ein langer Weg bis zur ersehnten Schwangerschaft. Im Gepäck: physischer und psychischer Stress

1,5 Jahre sollte es allerdings dauern, bis sich der ersehnte Nachwuchs einstellte. Die Zeit bis dahin war geprägt von Schmerzen, eine Achterbahn der Emotionen nahm seinen Lauf: Nach Absetzen der Pille litt Sophia unter starken Schmerzen. Ein Gynäkologe erkannte zum Glück die Ursache: Endometriose. Sophia ist sich heute sicher: „Egal, ob man die Pille nimmt und abgesetzt oder sie nie genommen hat. Derartige Regelschmerzen gehören unbedingt abgeklärt. Man muss das nicht ertragen und sich auch nicht als empfindlich abtun lassen!“. Nach der Operation wurde Sophia dann auch sofort schwanger, es folgte eine problemlose Schwangerschaft. Erst gegen Ende dieser gab es ein paar kleine Komplikationen:  Ein etwas „unsicherer“ Diabetes wurde prognostiziert. Im achten Monat war sie unverschuldet in einen Autounfall involviert, zum Glück war ihr außer Schürfwunden und einem Peitschenschlagsyndrom nicht mehr passiert. Physischer Stress wurde durch die Tatsache verstärkt, dass ihre Chefin den ganzen Tag über rauchte und Sophia Angst bezüglich der Folgen des Passivrauchens hatte. Sophia erinnert sich aber auch gerne an ein schönes Erlebnis in dieser Zeit: Der erste Urlaub mit ihrem Basti: „Babymoon“ in der Toskana.

Egal, ob man die Pille nimmt und abgesetzt oder sie nie genommen hat. Derartige Regelschmerzen gehören unbedingt abgeklärt. Man muss das nicht ertragen und sich auch nicht als empfindlich abtun lassen!

– Sophia –

Wer trifft die Auswahl? Sollte die Mutter in der Schwangerschaft nicht die Hauptrolle spielen?

Sophia empfand die Zeit vor der Entbindung schon sehr kompliziert. Es begann bereits mit der Auswahl des Krankenhauses, hier übten ihr Vater und ein befreundeter pensionierter Gynäkologe Druck auf sie aus. Aber dies sollte erst der Anfang einer anstrengenden Zeit sein! Rückblickend war ihr Geburtserlebnis mit vielen negativen Attributen behaftet: Einsatz von Wehenhemmern, Saugglocke, umstrittener Kristeller-Handgriff und PDA – die typischen Standardmethoden. Sophia dachte sich, wie viele andere Schwangere wohl auch, sie müsse sich all dem unterziehen, obwohl es eigentlich nicht ihr Wunsch war.

Notkaiserschnitt: Depressionen und Geburtstrauma waren besiegelt

Bei der Entbindung befand sich Sophia dann letzten Endes in Vollnarkose und der kleine Max kam mit Notkaiserschnitt zur Welt. Alles in allem war es eine dramatische Geburt und Sophia litt sehr unter den psychischen Folgen. Die junge Mutter war total überlastet, konnte das Kind anfangs nicht annehmen. Zudem kam, dass die Blutwerte des Neugeborenen nicht ganz in Ordnung waren, das Kind auf eine andere Station verlegt werden musste und Sophia auf dieser keinerlei Unterstützung erhielt – sie fühlte sich verloren.

Konsequent, mutig, offen! Startschuss: Die ersten Schritte in Richtung Selbstbestimmung

Sophia ließ sich durch dieses Trauma allerdings nicht unterkriegen. Für sie war es Zeit, die Reißlinie zu ziehen! Die Geburt von ihrem Sohn Max war der Startschuss zu einem Umdenken. Sophia war klar, dass sie ihr Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen musste!  Ihr erster Impuls? „Ich will ein zweites Kind, ich muss das sofort besser machen!“ Die junge Mutter war sich aber auch bewusst, dass sie sich vor der ersten Schwangerschaft und Geburt zu wenig informiert hatte. Von der MUKI Hebammenberatung wusste sie Bescheid, nahm das Angebot aber nicht an. Sie wollte keine fremden Menschen um sich haben. Sophia kümmerte sich auch nicht um eine eigene Hebamme: „Wenn ich mal im Spital bin, wird mir schon geholfen. Es gibt dort ja Hebammen. Warum sollte ich mir eine eigene suchen? Ich muss nur irgendwie ins Spital und die Wehen aushalten. Ich gebe das einfach ab“. Sophia war es gewohnt, dass ihr Entscheidungen ständig abgenommen wurden, sie hatte keine eigene Meinung. Aber damit war jetzt Schluss! Sie wollte ihr Leben selbstständig meistern.

Mutter und Kind schreiben schließlich die Geburtsgeschichte!

Nach 18 Monaten wurde die junge Mutter erneut schwanger und sie wollte eine schöne, selbstbestimmte Geburt erleben. „Der Körper funktioniert am besten, wenn er entspannt ist. Im Krankenhaus ist dies oft nicht der Fall. Geburten müssen auch nicht unbedingt schmerzhaft sein. Dieses verklärte Bild wird den Müttern weitergegeben.“ Aus Angst, dass ihr im Spital das Recht der Selbstbestimmung wieder genommen werden könnte, entstand die Idee zu einer Hausgeburt. Aber je näher der Geburtstermin rückte, umso mehr übte ihre Umwelt Druck bezüglich dem Entbindungsort auf sie aus. (Das Thema Hausgeburt nach vorrangegangenem Kaiserschnitt befindet sich in Österreich in einer Grauzone. Aus Angst, es könnte zu Komplikationen kommen, wollen Ärzte und Hebammen das Risiko nicht eingehen.) Ihr Basti erwies sich in jener Zeit als rettender Anker. Er nahm Sophia den Druck, der ihre, noch in den Startschuhen stehende Selbstfindung, ins Wanken hätte bringen können. Entbindung im Krankenhaus vs Hausgeburt – Letztendlich hatte das Baby das Sagen, denn die Wehen setzten so rasch ein, dass sich ein Weg zum Krankenhaus zeitlich nicht mehr ausging. Die kleine Julia erblickte mit stolzen 5 kg zu Hause das Licht der Welt. Auch wenn die Entbindung sehr anstrengend war, so half die zweite Geburt Sophia sehr in der Stärkung ihres Selbstbewusstseins. „Früher habe ich mich versteckt, mein Job hat nicht funktioniert, ich verpasste aufgrund der frühen festen Beziehung meine Selbstfindung. Nun habe ich einen Job, Kinder und bin jetzt Mama. Es lag an mir, mich zu öffnen!“

„Früher habe ich mich versteckt, mein Job hat nicht funktioniert, ich verpasste aufgrund der frühen festen Beziehung meine Selbstfindung. Nun habe ich einen Job, Kinder und bin jetzt Mama. Es lag an mir, mich zu öffnen!“

– Sophia –

Geburt

„Wissen ist Macht!“

Sophia genießt ihr neu entdecktes Leben. Sie fühlt sich stark und bestätigt. Das „Wissen Macht ist“, das weiß Sophia nun im Nachhinein und setzt sich mit interessanten Büchern zum Thema selbstbestimmte Geburt auseinander: „Die selbstbestimmte Geburt“ von Ina May Gaskin, „Alleingeburt“ von Sarah Schmid und „Meine Wunschgeburt“ von Ute Taschner und Kathrin Scheck. Sophia möchte mit ihrer Geschichte anderen Mütter aufzeigen, dass eine Geburt nicht unbedingt mit physischen und psychischen Schmerzen einhergehen muss und sie ermutigen, abzuklären, nachzufragen und selbstbestimmt zu handeln.

Interview mit Sophia im März 2021.