Isa & Cri mit ihren Töchtern Hanna & Lena aus dem Burgenland.

„Wir haben uns mit etwa 20 Jahren kennengelernt – also mitten in unserer Studienzeit. Cri ist genau 9 Monate jünger als ich. Er wurde quasi extra für mich geschaffen. Am Anfang waren wir wild & sexy und dann sind wir abends schnell eingeschlafen. Schon bald starteten wir ein Projekt nach dem anderen: Kinder, Hausbau & Jobwechsel. Obwohl alle Vorhaben nicht immer einfach waren, hat sich insbesondere der Kinderwunsch als nicht einfach entpuppt.“

Drei Fehlgeburten in zwei Schwangerschaften

„Unser größter Wunsch war es eine Familie zu gründen. Beim ersten Kind hat sich das biologische Wunder ein wenig Zeit gelassen. Nach etwa 1,5 Jahren hat es dann doch problemlos geklappt. Bis wir unser zweites Kind auf der Welt willkommen heißen konnten, hatten wir gemeinsam einen langen, emotional schweren Weg zu gehen. Wir lebten zu diesem Zeitpunkt noch mit unserer kleinen Hanna in einer Wohnung in Wien und planten bereits unser Haus im Burgenland. Jeder, der schon einmal Haus gebaut hat, weiß, wie stressig dieses Vorhaben ist. Währenddessen versuchten wir Baby #2 auf den Weg zu bringen. Endlich schwanger! Diesmal klappte es viel schneller … nur schon bald wurden wir wieder auf den Boden der Realität zurückgeholt. Ich erlitt etwa in der 9. Schwangerschaftswoche eine Fehlgeburt. In mir brach eine Welt zusammen – eine dunkle Wolke über mir. Dennoch war ich zuversichtlich, wir würden es demnächst schaffen und so versuchten wir stets wieder schwanger zu werden. Nur wenige Monate später kam ein zurückhaltender Freudenschrei: Schwanger! Endlich hatten wir es geschafft. Und dann auch gleich noch Zwillinge! Doch auch dieses Mal wollte es mein Körper nicht schaffen.“

Emotionale Tieffahrt: Ich bin nicht genug

„In meiner Schwangerschaft mit den Zwillingen verlor ich relativ früh ein Kind. Es ging mit einer Blutung ab. Es war einfach weg – es entschied sich einfach, meinen Körper zu verlassen. Ein harter Schlag, nachdem ich erst kürzlich in der vorherigen Schwangerschaft mit einer Fehlgeburt klarwerden musste. Und weil das alles noch nicht genug war, verlor ich den zweiten Zwilling im 3. Schwangerschaftsmonat und musste mich einer Kürettage unterziehen. Ein Eingriff, mit dem ich dachte am emotionalen Tiefpunkt angekommen gewesen zu sein. Allerdings war es das noch lange nicht. Es folgten depressive Monate: Ich fühlte mich „entfraut“. Ich dachte: „Eine Schwangerschaft ist doch etwas, wofür ich keinen Führerschein brauche, wofür kein Studium notwendig ist. Es kann einfach jeder schaffen, nur mein Körper schafft es nicht“. Es hat mich innerlich fast aufgefressen … Cri stand mir zwar bei, jedoch kann ein Mann es gar nicht nachfühlen. Ein Mann hatte noch nie dieses Schwangerschaftsgefühl. Also entschied ich mich damit an die Öffentlichkeit zu gehen. Ich tauschte mich mit anderen Frauen persönlich darüber aus und thematisierte dieses Tabuthema „Fehlgeburt“, um mir mein Leid von der Seele zu reden und um diese Ereignisse zu verarbeiten. Es war mein persönlicher Weg über meine drei Fehlgeburten hinwegzukommen.“

Hartnäckigkeit hat sich ausgezahlt

„Trotz emotionaler Tieffahrt ließ ich an dem Wunsch eines zweiten Kindes nicht los. Cri hingegen war schon mit unserer gesunden Hanna zufrieden und hätte nach den drei Fehlgeburten die Kinderplanung abgeschlossen. Aber ich ließ nicht locker – ich wollte immer eine größere Familie und so eben auch noch zumindest ein Geschwisterchen für Hanna. Für mich gab es Höhen und Tiefen, bis wir endlich an diesem Ziel angelangt waren. Jeden Monat hoffte ich, dass meine Periode ausbleibt – dass der Schwangerschaftstest positiv anschlägt. Oft wurde ich enttäuscht und war kurz davor, die Hoffnung aufzugeben. Bis es endlich klappte. Drei Jahre nach unserer Erstgeborenen hat also endlich unser zweites Mädchen Leni das Licht der Welt erblickt. Besonders berührt war ich von einem Gespräch mit Cri, als er sich bei mir bedankte, dass ich niemals losgelassen habe. Dass ich stets an dem Wunsch eines zweiten Kindes, trotz all der emotionalen Rückschläge, festgehalten habe.“

„Ich tauschte mich mit anderen Frauen persönlich darüber aus und thematisierte dieses Tabuthema „Fehlgeburt“, um mir mein Leid von der Seele zu reden und um diese Ereignisse zu verarbeiten. Es war mein persönlicher Weg über meine drei Fehlgeburten hinwegzukommen.“

– Isa –

Entwicklung: Mit 40+ sind sexuelle Wünsche kein Tabuthema

„Durch diese emotionale Rallye lernten wir uns noch besser kennen. Wir erfuhren noch viel mehr über uns und lernten, offen miteinander zu kommunizieren. Offen & ehrlich wurden wir auch mit unseren intimen, sexuellen Wünschen. Ein Auslöser dafür war bestimmt „50 Shades of Grey“Teil 1 ist übrigens mein Lieblingsbuch der Reihe. Seitdem wir 40 sind, hat sich dahingehend einiges geändert. Wir sprechen viel offener darüber und wissen auch was wir wollen. Wir äußern unsere Wünsche und genießen unsere Zweisamkeit. Ich weiß jetzt, dass Sex nicht nur zum Kindermachen ist, sondern, dass man auch wirklich daran Gefallen finden und es genießen kann. Ob ich zuvor einfach durch die Anti-Baby-Pille zu abgestumpft oder einfach nur zu bieder war?“

Interview mit Isa im Februar 2021.