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Scheidungskinder – Wo wird Weihnachten gefeiert? 

Weihnachten steht vor der Türe, das Fest der Liebe. Die Vorfreude steigt von Tag zu Tag, es riecht nach Keksen und Mandarinen, die Familie schmückt das Haus und am 24. Dezember sitzen alle glücklich und zufrieden vor dem Weihnachtsbaum. Bei vielen Familien ist diese Vorstellung leider sehr weit von der Realität entfernt.

Ein getrennt lebendes oder geschiedenes Ehepaar mit Kindern, aber auch viele Patchworkfamilien müssen sich die Frage stellen: Wo verbringt das Kind/die Kinder dieses Jahr Weihnachten?

Wir haben Fritz (46 Jahre, geschieden) und Birgit (37 Jahre, frisch getrennt) gefragt, wie sie die Situation mit ihren Kindern rund um das Weihnachtsfest und die Feiertage handhaben.

Fritz, 46 Jahre alt, geschieden, 

Meine Exfrau und ich sind schon seit ein paar Jahren geschieden, unser gemeinsamer Sohn ist jetzt 9 Jahre alt. Wir haben lange herumprobiert und stoßen auf viele Hürden, wenn es um das Thema Weihnachten bzw. Weihnachtsferien und unseren Sohn geht. Wir haben rechtlich vereinbart, dass wir die Ferien in zwei Hälften teilen, in der einen Hälfte ist unser Sohn bei der Mama, in der anderen Hälfte bei mir. Doch wie teilst du denn die Ferien so auf, dass es fair ist? Hier verlieren wir uns jedes Jahr aufs Neue in Diskussionen, die Mutter ist der Meinung, da sie über das ganze Jahr hindurch die Hauptverantwortung für unseren Sohn trägt, steht ihr das Weihnachtsfest fix zu. Und dass das Kind nicht jedes Silvester bei mir als Papa verbringen soll, sondern die Mutter hier auch spontan entscheiden will – Trotz der 50/50 Regelung. Daraufhin habe ich mich beim Jugendgericht informiert und wurde schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt: Grundsätzlich wird der Mutter vor Gericht immer recht gegeben, heißt, wenn sie will, dass das Kind bei ihr jedes Jahr Weihnachten feiert, dann hat sie das Recht, dies zu bestimmen.

Und leider ist es auch so, dass sie unseren Sohn insofern manipuliert, indem sie ihm sagt, dass Weihnachten und Silvester doch viel mehr Spaß machen, wenn er bei der Mama ist. Solche Mittel anzuwenden finde ich absolut nicht in Ordnung. Ich habe auch gemerkt, dass die einzige Möglichkeit aus heutiger Sicht ist, mich auf meine Rechte (der 50/50 Aufteilung der Ferien) zu versteifen. Doch als Papa tut es mir im Herzen weh, wenn ich meinen Sohn abholen will und er weint und sagt, er will nicht zu mir. Dann zwinge ich ihn auch nicht. Man sieht, wir stehen vor vielen Problemen. Ich hoffe aber, dass meine Exfrau und ich in Zukunft einen Weg finden werden, der für alle funktioniert und es keine Manipulation oder böses Blut mehr braucht.

Birgit, 37 Jahre alt, frisch getrennt, Kind ist 5 Jahre alt

Mein Mann und ich haben uns vor ca. einem Monat getrennt, er ist auch gleich aus dem gemeinsamen Haushalt ausgezogen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mich irgendwann einmal mit dem Thema beschäftigen muss, wo unser gemeinsames Kind Weihnachten verbringen wird. Aber jetzt ist es einfach so! Unsere Idee ist jetzt, dass unser Kind den gesamten Weihnachtstag, also den 24.12., bei mir zuhause verbringt, mein (Noch)mann nur zur Bescherung kurz vorbeikommt, damit unser Kind nicht den totalen Schock bekommt und sich fragt, warum Papa nicht wie jedes Jahr mit uns Weihnachten feiert. Ich will unserer Tochter ihren Papa nicht vorenthalten, andererseits habe ich Angst davor, dass vor der Kleinen der falsche Eindruck entsteht. Wir hatten eine sehr schwierige Zeit und die Trennung war absehbar, ich denke nicht, dass wir noch einmal zusammenfinden werden. Deshalb frage ich mich, ob es nicht klüger wäre, unserer Tochter beizubringen, dass Papa und Mama nicht mehr unter einem Dach leben werden, dass wir sie beide noch genauso lieb haben aber sich jetzt etwas ändern wird und Feste in Zukunft nicht mehr gemeinsam gefeiert werden.

Ich will keine Hoffnung schüren, die nicht da ist. Da bin ich mir noch sehr unsicher, wie wir das in Zukunft machen werden, Ich denke, die perfekte Lösung gibt es für solche Situationen eh nicht. Meine Wunschvorstellung wäre es, die Feiertage und Feste gerecht aufzuteilen. Unsere Tochter soll wichtige Ereignisse mit Mama und Papa feiern können, auch, wenn diese nicht mehr zusammenwohnen. Ich bin ganz ehrlich, mir graut es vor dem Weihnachtsfest, wir werden uns aber für unsere Tochter zusammenreißen. Es wird dieses Jahr auf jeden Fall ein ganz anderes Weihnachten werden…